Einjespritzt

24. Januar 2013 2 Kommentare

Als Münchner mit Migrationshintergrund habe ich Gefallen am hiesigen Essen gefunden, insbesondere an der Brezel Breze, speziell der Butterbreze. Der Hamburger oder Frankfurter kann diese weder vernünftig backen, noch ist ihm beizubringen, dass man sie nicht mit Butter beschmieren und dann drei Stunden in der Auslage liegen lassen kann.

Innen matschige und außen bockelharte Brezen von Allwörden oder Kamps sind jedoch harmlos im Vergleich zu jenem Exemplar, dass meine Freundin Steffi unlängst in Berlin bei Kaisers/Tengelmann entdeckt hat.

Als sie begann, ihre Breze Brezel zu verzehren, bemerkte sie, dass diese im Abgang stark buttrig war – wider Erwarten, denn es handelte sich um ein unaufgeschnittenes Exemplar. Die Verkäuferin erklärte ihr auf die Frage, wie denn in die trockene Brezel Butter hineinkomme:

„Is‘ einjespritzt.“

Und zwar mit insgesamt zehn Injektionen. Innovation, auch kulinarische, findet man eben immer dort, wo man sie überhaupt nicht vermutet. Man kann darüber die Nase rümpfen, aber in die Berliner (ich glaube, in Berlin sagt man: Pfannkuchen) wird die Marmelade schließlich ooch einjespritzt.

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Diese Einbringnung schmackhafter Kondimente in Festprodukte, die ich einfach mal als „Berliner Methode“ bezeichnen würde, ist extrem ausbaubar. Wieviel Zeit, Geld und Waschmittel könnten die Menschen sparen, wenn sie endlich aufhörten zu dippen, zu schmieren und zu tunken – und stattdessen einspritzten?

In Weißwürste könnte man süßen Senf injizieren, in Wienerle scharfen. Pommes Frites ließen sich mit Ketchup füllen – am besten händisch. Wegen des Manufakturcharakters. Handjespritzt, wa.



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