Die Logik der Terrorwarnungen

3. Januar 2016 2 Kommentare

Nach den öffentlichen und öffentlichkeitswirksamen Warnungen vor Terroranschlägen in Hannover und München ist die Verunsicherung groß, und die Ratlosigkeit größer. Es stellt sich die Frage, wie signifikant die Bedrohung tatsächlich war. Leider ist es fast unmöglich, eine inhaltliche Bewertung dieser Frage vorzunehmen, weil es zu den beiden Ereignissen kaum belastbare Informationen gibt.

Lagen die Sicherheitsbehörden daneben? Schweigen sie aus ermittlungstaktischen Gründen? Man weiß es nicht. Wie immer in solchen Fällen empfiehlt es sich, den Sachverhalt einmal mit nackter Logik zu betrachten.

Zunächst unsere Variablen: Wir haben eine terroristische Gruppe (T). Diese plant Anschläge (A) unter Zuhilfenahme von Mitteln (M) – Waffen, Sprengstoff, gefälschte Pässe, Fluchtwägen etc.

Wenn Gruppe T Anschlag A vermittels M plant, sollte man ex post (nach Vereitelung von A) Spuren von T und M finden. Findet man keine Spuren, folgt daraus, dass T nicht existiert ODER dass T absolut überlegene operative Methoden verwendet (Superterroristen).

Weiß man eine Woche vor dem Termin (t) von A, findet aber ex ante keine Spuren von T oder M, folgt daraus entweder, dass T nie existierte. ODER, dass bei den Ermittlungen in der Zeit von t-7 bis t suboptimal gearbeitet wurde (Behördenversagen).

Für dieses Behördenversagen gibt es im Wesentlichen zwei Varianten: Entweder war die Arbeit der Polizei ungenügend, und sie hat nichts gefunden, weil das BKA aus Volltrotteln besteht. ODER die Polizei konnte gar nicht besser arbeiten, weil sie zu wenig wusste. Bei der zweiten Variante hätten die Geheimdienste dem BKA lediglich „T, A und M“ zugerufen, ohne diese Variablen irgendwie zu definieren.

Die Varianten „diese Superterroristen hinterlassen keine Spuren“ und „das BKA besteht aus einem Haufen Volltrottel“ sind m. E. beide sehr unwahrscheinlich. Nimmt man sie heraus, bleibt die zweimal vorkommende Variante „T existiert nicht“ und jene, dass T zwar existiert, die Dienste aber eine zu vage Warnung herausgaben, um Spuren von T (oder zumindest von M) zu finden.

FullSizeRender

Seltsam. Am Schluss sind wir wieder bei den Diensten. Zweimal Terrorwarnung, zweimal nichts – keine Festnahmen, keine Fahnundungsfotos, keine Waffendepots. Nichts. Trotzdem ist es logisch, dass gewarnt wurde. Und es ist logisch, dass alle Details zurückgehalten wurden, bis auf eines: dass wir unsere Rettung vor T der tollen internationalen Kooperation der Geheimdienste zu verdanken haben. Das ist logisch. Zumindest, wenn man der in Bedrängnis geratene BND ist und dringend Erfolge braucht, koste es, was es wolle.



2 Kommentare

  • Geraldo sagt:

    Danke für die Aufschlüsselung!
    Als weiteres Beispiel könnte noch die Absage des Karnevalsumzuges 2015 in Braunschweig herangezogen werden. Gleiche Vorgehensweise der vermeintlichen „T“ mit „M“ mit gleichem Ausgang der Ermittlungen – auch nahezu 1 Jahr danach.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.